Thema des Monats April 2001


Biergeschichte

Rechtsgeschichte, Sozialgeschichte und Wirtschaftsgeschichte sind eng miteinander verbunden. Man wird kaum ein sozial- oder wirtschaftsgeschichtliches Thema finden, das nicht einen Zusammenhang zu rechtlichen Rahmenbedingungen aufweist. Wer das für trockene Theorie hält, kann im folgenden am Beispiel der Geschichte des Bierbrauens zu einer lebensnahen Überprüfung schreiten.

Die frühesten geschichtlichen Zeugnisse des Bierbrauens finden sich zur Zeit der Sumerer (einer Hochkultur zwischen Euphrat und Tigris) 4000 v. Chr. Dr. Klaus Abrahamson hat sich in seinem Artikel "Das Bier bei den Sumerern" diesem Thema einmal angenommen. Einen weiteren Aufsatz dazu mit zahlreichen Abbildungen hält Dieter Störing bereit.

Die Babylonier übernahmen die Bier-Kultur der Sumerer: Erste Ansätze einer Biergesetzgebung finden sich im Codex Hammurabi. Näheres dazu bei Clickfish unter dem Titel "Bier in Babylon".

Auch der Gilgamesch-Epos aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. zeugt von der Bedeutung des Bieres. Bei lyrik online kann der Epos nachgelesen werden. Interessant ist dort insbesondere die 2. Tafel des Epos: An den Stellen, an denen der Übersetzer das Wort "Rauschtrank" verwendet, ist davon auszugehen, dass "Bier" gemeint ist (vgl. 7. Tafel).

Auf deutschem Boden haben als erste die Germanen 800 v. Chr. Bier gebraut. Empfehlenswert ist dazu der Aufsatz von Conrad Seidl "Trank der alten Germanen". Bei den Germanen gehörte übrigens das Bierbrauen noch zum Aufgabenbereich der Frau. Dies sollte sich erst im Mittelalter ändern. Der Deutsche Brauer-Bund hat einmal die Rolle der Frau in der Geschichte des Bierbrauens untersucht.

Im Mittelalter begannen sich verstärkt Mönche der Kunst der Brauens zu widmen. Die Gründe dafür und die weitere Entwicklung dieser mönchischen Kultur findet man auf der Seite des Brauforums: "Die Braukunst der Klöster".

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass das Wettbewerbsrecht heute den Begriff "Klosterbrauerei" schützt: Eine Brauerei darf nur dann den Namen "Klosterbrauerei" tragen, wenn sie tatsächlich historische Bezüge zur klösterlichen Brautradition aufweist. Anderenfalls handelt sie wegen irreführender Werbung wettbewerbswidrig. Vgl. dazu den Leitsatz OLG Nürnberg 3. Zivilsenat Urteil vom 30. Mai 2000 3 U 4502/99

Am 23. April 1516 erließ Herzog Wilhelm IV. das bayerische Reinheitsgebot. Anschaulich dargestellt wird die Geschichte des Reinheitsgebotes, seiner Vorläufer und die weitere Entwicklung bis heute im Aufsatz "Reinheitsgebot - Biersteuergesetz" der Vereinigung ehemaliger Ulmer Braumeister, sowie auf der Seite "Das Bayerische Reinheitsgebot" des Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten.
Das Reinheitsgebot von 1516 lebt heute fort im Biersteuergesetz. Dieses können Sie im
BGBl. Teil I Nr. 59 vom 29. 12. 1992 bei Makrolog online einsehen. Wer gerne das BierStG im Original lesen möchte, sei auf die Faksimile-Ausgabe verwiesen.

Seit dem Urteil des EuGH vom 12. März 1987 178/84 dürfen, zur Gewährung des freien Warenverkehrs (Artikel 28 EGV, früher Art. 30), auch Biere in Deutschland verkauft werden, die nicht dem Reinheitsgebot entsprechen. Voraussetzung ist jedoch, dass dies gekennzeichnet ist. (Vgl. den später darauf basierenden berühmten Amtshaftungsprozess "Brasserie du Pêcheur" nachzulesen im Projekt "Europäisierung des Rechts" am Ifri.)

Wer abschließend einmal die Gesamtgeschichte des Bieres im Zusammenhang lesen möchte, der sei auf die Seite des schweizerischen Lebensmittelmagazins Foodnews ("Die lange Geschichte des Bieres") und auf BIER.DE ("Geschichte des Bieres") verwiesen. Darüber hinaus hält der Kölner Brauerei-Verband e.V. eine Sammlung historischer Daten und Texte bereit.
(cf)


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Rechtsgeschichte-life
rechtsgeschichte-life.jura.uni-sb.de/2001April.htm
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