Thema des Monats August 2001

160. Geburtstag des Deutschlandlieds

Am 26. August 1841 vollendete Heinrich Hoffmann von Fallersleben sein dreistrophiges "Lied der Deutschen" (kurz: Deutschlandlied). Unterlegt mit der Melodie der österreichischen Kaiserhymne "Gott erhalte Franz den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz" von Joseph Haydn wurde das Lied schnell bekannt und erfreute sich wachsender Beliebtheit. (Liedtext und Partitur sind auf den Seiten des Hoffmann-von-Fallersleben-Bildungswerk e.V. einzusehen.) Blicken wir angesichts des 160. Geburtstages des Deutschlandlieds zurück auf seine Entstehungszeit bis hin zur Anerkennung nur seiner dritten Strophe als Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland.

Am 11. August 1922 erklärte Reichspräsident Friedrich Ebert alle drei Strophen des Deutschlandlieds zur Nationalhymne. Im Dritten Reich sang man nur die erste Strophe zusammen mit dem Horst-Wessel-Lied. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Deutschlandlied verboten. Sofort brach eine Debatte darüber aus, welches Lied nun als Nationalhymne verwendet werden solle. Unter dem Titel "Der Hymnenstreit" hält die Theodor-Heuss-Schule Reutlingen nähere Informationen bereit.

Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer einigten sich schließlich in einem Briefwechsel, dass fortan nur die dritte Strophe des Deutschlandliedes zu singen sei (Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung vom 8. Mai 1952 S. 537).

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands bestätigten Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl diese Hymnentradition, abermals durch einen Briefwechsel (vgl. Bundesgesetzblatt 1991 Teil I S. 2135).

Wenn Sie sich einmal die heute offizielle Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland anhören möchten: Die Bundesregierung stellt auf ihrer Homepage die Nationalhymne als Sound-Datei in verschiedenen Formaten zum Download zur Verfügung.

Sollten Sie nun neugierig geworden sein, so können Sie die Geschichte des Deutschlandliedes ausführlich auf einer der folgenden Seiten nachlesen:

Angesichts der Tatsache, dass die Nationalhymne sogar Eingang in die Lehrpläne der öffentlichen Schulen gefunden hat (vgl. Die Nationalhymne und die Landeshymne im Unterricht - Bek. vom 25. Januar 1979, in: NBl. KM. Schl.-H. S. 38) ist es kaum verwunderlich, dass Kenntnisse über die Nationalhymne im juristischen Staatsexamen als selbstverständlich erwartet werden. Im Hinblick auf die Examensrelevanz dürfte von Interesse sein, dass die Hymne als Staatssymbol - genau wie die Bundesflagge - den besonderen Schutz des § 90a Abs.1 Nr.2 StGB genießt. Dem Briefwechsel zwischen Konrad Adenauer und Theodor Heuss ist aber "nicht ausdrücklich zu entnehmen, dass dieses Lied [‚Lied der Deutschen’] nur mit seiner dritten Strophe zur Hymne erklärt werden sollte. Eindeutig ist jedoch darin festgelegt worden, dass bei staatlichen Veranstaltungen die dritte Strophe gesungen werden solle. Dem entspricht mittlerweile eine jahrzehntelange allgemeine Übung. Für den Adressaten des § 90 a Abs. 1 Nr. 2 StGB geht der erkennbare Wortsinn des Begriffs ‚Hymne der Bundesrepublik Deutschland’ daher nicht über die dritte Strophe des Deutschlandliedes hinaus." (BVerfG 1. Senat Beschluss vom 7. März 1990 - 1 BvR 1215/87)

In diesem Zusammenhang hat sich das BVerfG auch mit der Frage beschäftigen müssen, inwiefern die Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG (hier: satirische Nachdichtung des Deutschlandliedes) den Staatssymbolschutz zu beschränken vermag. Zu dieser Problemstellung sei grundlegend auf BVerfG 1. Senat Beschluss vom 7. März 1990 - 1 BvR 266/86, 1 BvR 913/87 sowie auf den Aufsatz "Satire und Zensur" von Lisa Westermann verwiesen. (Aktuellste Entscheidung: BVerfG Urteil vom 3. 11. 2000 - 1 BvR 581/00)

Übrigens, um abschließend einmal ein bisschen über den Tellerrand hinaus zu blicken: Informationen zur Europa-Hymne kann man sich auf der Seite der Europäischen Union downloaden.
(cf)


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