Thema des Monats Juni 2001

170. Todestag des Freiherrn vom und zum Stein

Vor 170 Jahren, am 29. Juni 1831, starb Freiherr vom und zum Stein. Er gehört zusammen mit Karl August Fürst von Hardenberg zu den großen Reformatoren Preußens. Noch heute sind jedem Verwaltungsrechtler die "Stein-Hardenbergschen Reformen" ein Begriff. Kein Wunder, dass selbst im ersten juristischen Staatsexamen der Prüfling gelegentlich nach eben diesen Reformen gefragt wird. Daher bietet es sich an, das Leben und Wirken des Freiherrn vom und zum Stein anlässlich der 170. Wiederkehr seines Todestages durch nähere Betrachtung zu würdigen.

Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein wurde am 25.10.1757 in Nassau geboren. Nach dem Jurastudium in Göttingen trat Stein 1780 in den preußischen Staatsdienst als Oberbergrat ein. 1784 wurde er zum Bergamtsdirektor in Wetter an der Ruhr ernannt. Noch heute steht dort das Fachwerkhaus Freiheitstraße 18, das Stein zu jener Zeit dort bewohnte und das die Stadt Wetter liebevoll zu erhalten weiß.

1804 wurde Stein preußischer Finanz- und Wirtschaftsminister, seine Entlassung erfolgte nur wenig später im Januar 1807.

Im Juli 1807 wurde Stein zum Staatsminister berufen. Daraufhin begann er sofort mit der Umsetzung seiner Reformvorhaben: Die wichtigsten waren die Aufhebung der bäuerlichen Erbuntertänigkeit (1807) und die Einführung der Selbstverwaltung der Städte (1808).
Die Juristische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin hält in ihrer rechtshistorischen Quellensammlung "Das Jahrhundert des Lichts. Verfassungs- und Naturrechtskodifikationen" u.a. auch das Edikt zur Bauernbefreiung bereit.
Das Terrakottafries am Roten Rathaus in Berlin erinnert daran, wie Freiherr vom und zum Stein König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen 1808 das Edikt der Städteordnung überreichte.

Nachdem Stein im November 1808 erneut entlassen wurde, emigrierte er nach Russland, wo er Zar Alexander als Berater diente. Ein Ausschnitt aus dem Relief des Berliner Denkmals - das auf den Seiten der Universität Potsdam abgebildet ist - zeigt den Besuch des Zaren Alexander bei Freiherr vom und zum Stein.

1813 bewirkte Stein das preußisch-russische Bündnis gegen Napoleon. Welche Rolle die Stadt Reichenbach in den preußisch-russischen Beziehungen spielte und welche Verbindung sie zu Stein aufweist, stellt die Stadt stolz auf ihrer Homepage dar.

Nachdem Stein nach Preußen zurück gekehrt war, leitete er zusammen mit Hardenberg die sog. "Stein-Hardenbergschen Reformen" ein, die Preußen grundlegend modernisierten.
Maximilian Herberger hat in diesem Zusammenhang "Die Staats- und Gesellschaftstheorie des Freiherrn vom Stein" ausführlich untersucht.
Wer sich gerne stichpunktartig über den Hintergrund der Stein-Hardenbergschen Reformen informieren möchte, der sei auf den Beitrag "Stein's Reform" von Mario Schumann verwiesen. Ein Überblick über alle Preußischen Reformen (nicht nur die, die Stein veranlasste), findet sich bei Geschi.de.

Bis heute sind die Stein-Hardenbergschen Reformen Vorbild für Verwaltungsreformen. Dies zeigt sich z.B. auf den Seiten des Landratsamts Potsdam-Mittelmark, das sich bei seiner Werbung für die Reform der Kreisverwaltung auf Stein beruft.

1819 war Stein führend an der Gründung der "Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde" beteiligt, die dann später begann die Quellensammlungsreihe "Monumenta Germaniae Historica" herauszugeben.

Nachdem sich Stein 1818 auf seinen Altersruhesitz Schloss Cappenberg bei Lünen zurückgezogen hatte, verstarb er dort am 29. Juni 1831 im Alter von 73 Jahren.
Heute ist Schloss Cappenberg aufgrund seiner zahlreichen Ausstellungen eine Touristenattraktion. Die Online-Zeitschrift "Archivpflege in Westfalen und Lippe" berichtet in einem Beitrag über die Eröffnung der Dauerausstellung "Der Freiherr vom Stein und Cappenberg" am 10. Mai 2000, die an ihren berühmten Bewohner erinnern soll.

Zum Gedenken an Freiherr vom und zum Stein wurden zahlreiche Schulen, Plätze und Straßen nach ihm benannt. Welche Denkmäler ihm allein in Berlin errichtet wurden, zeigt eine Aufstellung des historischen Service der Stadt Berlin auf der Seite "Berlin ehrt Persönlichkeiten".

Darüber hinaus sind zahlreiche Auszeichnungen nach Stein benannt:

  • Das saarländische Innenministerium zeichnet mit der Freiherr-von-Stein-Medaille Bürger aus, "die sich durch ehrenamtliche Tätigkeit oder als kommunale Ehrenbeamte verdient gemacht haben."

  • Das Hessische Ministerium des Innern und für Sport ehrt mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette Kommunen, "die sich durch besondere Initiativen zum Erhalt und zur Belebung von Gemeinschaftsgeist und Bürgersinn auszeichnen".

  • Regelmäßig verleiht die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. den Freiherr-vom-Stein-Preis für "pionierhafte Leistungen auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet sowie im Bereich der bürgernahen oder kommunalen Selbstverwaltung".

Wer sich abschließend über das Leben des Freiherrn vom und zum Stein zusammenfassend informieren möchte, der sei auf die Seite des Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg Minden und die Seite des Bezirks Spandau verwiesen. Letztere enthält u.a. einen sehr übersichtlichen und ausführlichen tabellarischen Lebenslauf.
(cf)


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Rechtsgeschichte-life
rechtsgeschichte-life.jura.uni-sb.de/2001Juni.htm
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