Thema des Monats März 2002

198 Jahre Code Civil


I. Entstehungsgeschichte des Code Civil
II. Der Code Civil in der rechtswissenschaftlichen Literatur
III. Verbreitung des Code Civil
IV. Der Code Civil im dichterischen Urteil



"Ma vraie gloire, ce n'est pas d'avoir gagné quarante batailles; Waterloo effacera le souvenir de tant de victoires. Ce que rien n'effacera, ce qui vivra éternellement, c'est mon Code civil."
(Napoléon Bonaparte)


Napoléon sollte Recht behalten. In zahlreichen Ländern der Welt hat man sich bei der Gestaltung des Privatrechts am Code Civil (1807 umbenannt: Code Napoléon) orientiert. So auch ehemals in weiten Teilen Deutschlands: Hier bedeutete die Einführung des Code Civil zugleich die Vereinheitlichung des in den Ländern unterschiedlichst geregelten Privatrechts. Anlässlich des Jahrestages der Verabschiedung des Code Civil am 21. März 1804 in Frankreich, bietet es sich an einen Blick auf die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte dieses berühmten Gesetzbuches zu werfen und zugleich seine Rolle in der deutschen Rechtsgeschichte zu untersuchen.

I. Entstehungsgeschichte des Code Civil

Der Code Civil ist Ergebnis des Gedankenguts, welches während der Französischen Revolution entstanden ist. Er verkörpert den Sieg des Bürgertums und ist geprägt durch den Individualismus, welcher auf den Grundsätzen von Gleichheit, Freiheit und Eigentum beruht.

Eine kurze Übersicht zu den Errungenschaften der Französischen Revolution mit dem Titel "Liberté - Egalité - Fraternité" hat Karlheinz Neubig-Scherf für seinen Unterricht am Louise-Schroeder-Gymnasium in München erstellt. Informationen über Napoléon selbst sowie seine Politik findet man auf folgenden Seiten:

Die näheren Umstände der Entstehung des Code Napoléon kann man ausführlich im History Magazine nachlesen sowie bei Michael Fröhlich unter dem Titel "Der französische Code civil, seine Wurzeln, seine Entstehung und seine weltweite Bedeutung". Eine Kurzübersicht über die wichtigsten historischen Fakten hält die Universität Freiburg zum Download bereit.

Der von Napoléon eingeführte Code Civil gilt, abgesehen von gesetzlichen Änderungen, bis heute in Frankreich. Wer sich für den Wandel des französischen Privatrechts interessiert, der kann den Originaltext des Code Civil vom 20. März 1804 (Gallica - bibliothèque numérique de la Bibliothèque nationale de France) mit der gegenwärtig in Frankreich geltenden Fassung (Legifrance) vergleichen. Übrigens, eine englische Übersetzung des Code Civil von 1804 hält "The Napoleon Series" für Sie bereit.

II. Der Code Civil in der rechtswissenschaftlichen Literatur

Wenn Sie sich näher mit dem Code Napoléon beschäftigen möchten, können Sie folgende, im Volltext herunterladbare Literatur zu Rate ziehen:

Neben der erwähnten Online-Literatur gibt es zu diesem Thema auch viele Beiträge in Druckwerken. Eine Recherche diesbzgl. ist bei Bijus-Biblio möglich.

III. Verbreitung des Code Civil

In Deutschland wurde der Code Napoléon zuerst in den linksrheinischen Ländern, die durch den Frieden zu Lunéville vom 1. Februar 1801 an Frankreich gefallen waren, eingeführt. Danach wurde er auch im Königreich Westphalen (1. Januar 1808), sodann im Fürstenthum Arenberg (1. Juli 1808) und schließlich in den Großherzogtümern Baden (1. Januar 1810), Berg (1. Januar 1810) und Frankfurt (1. Juli 1811) angenommen. Weitere Länder folgten.
Wo der Code Napoléon nicht bereits nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 wieder aufgehoben wurde, galt er weiter bis Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches am 1. Januar 1900.

Der Siegeszug des Code Napoléon sollte jedoch weit über die Grenzen deutscher Länder hinaus gehen. Nicht nur Italien, Spanien, Portu-gal, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, das Herzogtum Warschau, das Königreich Illyrien, mehrere Schweizer Kantone, die Fürstentümer der Moldau und Walachei sowie Griechenland orientierten sich am Code Napoléon, sondern auch einige amerikanische Staaten und Ägypten.

Hinweise darauf finden Sie auf folgenden Seiten:

IV. Der Code Civil im dichterischen Urteil

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass zwei berühmte Dichter, nämlich Heinrich Heine und Stendhal (Henri Beyle) sich mit dem Code Civil auseinandergesetzt haben. Heinrich Heine beschäftigte sich sogar im Rahmen seiner Tätigkeit als Jurist (vgl. "Juristenbiographie: Heinrich Heine", in: das freischüßler - Ausgabe 3/2000, Zeitung des Arbeitskreises kritischer Juristinnen und Juristen an der Humboldt-Universität zu Berlin) mit diesem Gesetzbuch. Beide Dichter kommen zu einem überwiegend positiven Urteil:


    Zitat aus einem Brief Heinrich Heines, vgl. Aufsatz von Stefan Söhn, "Diese illiberalste Wissenschaft" - Heinrich Heine und die Juristerei, NJW 1998, 1358 (1361 f.) m.w.N.:

    "Mein Freund, der bucklichte Auskultator, meint: Wenn er am Rhein wäre, so wollte er die Sache bald aufklären. Überhaupt meint er, daß dortige Gerichtsverfahren ,tauge nichts`. ,Wozu`, sprach er gestern, ,diese Öffentlichkeit?` Was geht es den Peter und den Christoph an, ob Fonk oder ein anderer den Könen umgebracht. Man übergebe mir die Sache, ich zünde mich die Pfeife an, lese die Akten durch, referiere darüber bei verschlossenen Türen, urteilt darüber das Kollegium und schreitet zum Spruch und spricht den Kerl frei oder verurteilt ihn und es kräht kein Hahn danach. Wozu diese Jury, diese Gevatter Schneider und Handschuhmacher? Ich glaube, ich, ein studierter Mann, der die friesische Logik in Jena gehört, der alle seine juristischen Kollegien wohl testiert hat und das Examen bestanden, besitze doch mehr Judizium als solche unwissenschaftliche Menschen. Am Ende meint solch ein Mensch wunders, welch höchst wichtige Person er sei, weil so viel von seinem Ja oder Nein abhängt? Und das Schlimmste ist noch, dieser Code Napoléon, dieses schlechte Gesetzbuch, das nicht mehr erlaubt, der Magd eine Maulschelle zu geben. - Doch ich will den weißen Auskultator nicht weitersprechen lassen. Er repräsentiert eine Menge Menschen hier, die für Fonk sind, weil sie gegen das rheinische Gerichtsverfahren sind. Man mißgönnt dasselbe den Rheinländern und möchte sie gerne lösen von diesen ,Fesseln der französischen Tyrannei`, wie einst der unvergessliche Justus Gruner - Gott habe ihn selig - das französische Gesetz nannte. "Möge das geliebte Rheinland noch lange diese Fesseln tragen und noch mit ähnlichen Fesseln belastet werden! Möge am Rhein noch lange blühen jene echte Freiheitsliebe, die nicht auf Franzosenhaß und Nationalegoismus basiert'".


    Zitat aus einem Brief Stendhals an Honoré de Balzac (30. Oktober 1840), vgl. alalettre.com:

    "En composant la Chartreuse, pour prendre le ton, je lisais chaque matin deux ou trois pages du code civil, afin d'être toujours naturel; je ne veux pas, par des moyens factices, fasciner l'âme du lecteur."

(cf)




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Rechtsgeschichte-life
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