130. Geburtstag der Mark als einheitlich deutsche Währung – Zugleich Abschied und Neubeginn


I. Die Geschichte des Geldes

II. Die Geschichte der Mark

III. Parallelen zur Einführung des Euro

IV. Blick in die Zukunft

 

I. Die Geschichte des Geldes

Nach einer wirtschaftswissenschaftlichen Definition ist Geld alles, was als Tauschmittel, als Recheneinheit oder Wertaufbewahrungsmittel dient (vgl. " Skript zur Veranstaltung Geld- und Währungspolitik der Leibniz-Akademie Hannover" von Ralf Tostmann auf S. 28).

Diese Definition des Geldes berücksichtigt, dass Geld im Laufe der Geschichte einem Wandel unterliegt. Ursprünglich beherrschte der Tauschhandel das Wirtschaftsleben. Auf der Seite " Es begann mit dem Tauschhandel" bei Giesecke & Devrient, finden Sie weitere Informationen zu dieser geldgeschichtlichen Epoche.

Die Weiterentwicklung des Tauschhandels war der Handel mit Schlüsselwährungen. Die berühmteste Schlüsselwährung dürfte die Kauri-Muschel sein, die über Jahrhunderte in Westafrika als Zahlungsmittel anerkannt war. Wie es schließlich zur Inflation und damit zum Untergang dieses Zahlungsmittels kam, erläutert Gelon auf der Seite " Geschichte des Geldes – Das erste Geld".

Voraussetzung für das Entstehen von Münzwährungen war die Gewinnung und Verarbeitung von Metallen. Die ersten Münzen waren aus Kupfer, Bronze oder Eisen. Das Metall wurde beim "Bezahlen" als Wertäquivalent akzeptiert. Der Münzherr garantierte dafür, dass der aufgeprägte Nennwert dem Gewicht und Feingehalt der Münze entsprach und beglaubigte dies durch das Einprägen von Bildern und Schriftzeichen. Näheres zur Entwicklung der Münze können Sie dem Aufsatz " Geld- und Währungsverhältnisse im Wandel der Zeit" von Olaf Meiler entnehmen.

Der erste Schritt zur Abstraktion des Wertes erfolgte bei der Verwendung von Papiergeld. Ursprünglich handelte es sich dabei um private Schuldversprechen in Form schriftlich niedergelegter Zahlungsverpflichtungen. In China benutze man Papiergeld bereits in der Tang-Dynastie (618-907). Eine Entwicklung, die in Deutschland sehr viel später begann. Bei uns wurden erst im 19. Jahrhundert die ersten Geldscheine ausgegeben. Ausführliche Informationen zur Geschichte des Papiergeldes erhalten Sie auf der Seite " Papiergeld / Notgeld" bei sammler.com.

Ein weiterer Schritt in Richtung "Wertabstraktion" ist die Verwendung von "elektronischem Geld" z.B. in Form von Scheckkarten. Zahlreiche Arbeiten zu diesem Thema wurden im Rahmen des Seminars " Technische Grundlagen elektronischer Geschäftsbeziehungen" an der Technischen Universität Darmstadt geschrieben.

 

II. Die Geschichte der Mark

Kommen wir, nachdem wir uns soeben einen Gesamtüberblick über die Entwicklung und Stellung des Geldes in unserer Wirtschaftsgeschichte verschafft haben, zu unserem Ausgangsthema zurück: Wie kam es eigentlich zur Mark?

Seit etwa 1045 benutzte man die Mark als Gewichtseinheit beim Abwiegen größerer Zahlungen. Es wurde festgelegt, dass 233,7 Gramm eine Mark genannt werden sollte.
Größere Bedeutung gewann die Mark als Gewichtseinheit im Rahmen der Esslinger Reichsmünzordnung von 1524: Kaiser Karl der V. bestimmte darin die Kölner Mark zu 233,8 Gramm als Gewichtsstandard für alle deutschen Gold- und Silberwährungen im Reich. Daraufhin wurde die Mark in Deutschland populär und entwickelte sich in vielen Ländern von der Gewichtsbezeichnung zur Geldrechnungseinheit.
Eine Zusammenfassung zur Geschichte der Mark findet man im Münzlexikon des Münzversandhauses Reppa unter den Stichworten "
Mark I" und " Mark II".

Besondere Bedeutung sollte die Mark erst wieder zur Zeit der industriellen Revolution gewinnen: Der Wiener Kongress sah in der Bundesakte für Deutschland einen losen Staatenbund aus den 35 deutschen Fürstenstaaten und den vier freien Reichsstädten vor. Kraft ihrer vollen Souveränität regelten diese ihre Währungsfragen selbst, sodass jeder Staat seine eigene Währung benutzte. Wie man sich leicht vorstellen kann, herrschte ein Währungschaos, bei dem die Bürger kaum mehr die über hundert verschiedenen Münzen auseinander halten konnten. Der Anbruch der industriellen Revolution machte auf Grund des entstandenen Kapitalbedarfs die Einführung von Papiergeld notwendig. Geldfälscher nutzen das Währungschaos aus und fälschten leichter Hand massenweise Geldnoten. In der Bevölkerung herrschte höchste Unsicherheit.

Änderung brachte die Gründung des Deutschen Reiches und der damit einher gehenden Einführung der für ganz Deutschland einheitlichen Mark: In einem ersten Schritt wurde die Neuordnung und Vereinheitlichung des Geldwesens durch das Reichsgesetz betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1871 (RGBl. S. 404, vgl. S. 295, 296 des Reichstagsprotokolls von 1871, zu finden bei der Bayerischen Staatsbibliothek) angeordnet. Anstelle der verschiedenen Silbermünzsysteme trat die Markwährung auf Goldbasis als einheitliches Münzsystem. Ab jetzt konnte jeder in Deutschland nach Wahl mit einer nationalen Währung oder mit der Reichsmark bezahlen. Übrigens: Mit der Reichsmark wurde erstmals auch die Dezimalteilung der Mark (d.h. Mark geteilt in 100 Pfennige) eingeführt.

In einem zweiten Schritt lässt das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 (RGBl. S. 233, vgl. S. 1032, 1033, 1034 des Reichstagsprotokolls von 1873, zu finden bei der Bayerischen Staatsbibliothek) offiziell die Goldwährung anstelle der Landeswährungen treten. Als neue alleinige Richteinheit galt nun das goldene Zehnmarkstück.
Weitere Informationen zur Einführung der Mark finden Sie in dem Artikel "
Die Währungsunion von 1873 – Kaisers Schlußstrich unter das Münz-Chaos" von Tobias zur Mühlen.

 

III. Parallelen zur Einführung des Euro

Ziel der Einführung der Mark vor 130 Jahren war die Vereinheitlichung der verschiedenen Währungssysteme. Bei der Einführung des Euro geht es wiederum um Vereinheitlichung. Im Rahmen der europäischen Einigung haben sich 11 Länder zur Einführung einer gemeinsamen Währung, des Euro, entschlossen. Hier drängt sich folgende Frage auf: Gibt es Parallelen zu der Einführung der Mark vor 130 Jahren? Wir haben für Sie eine synoptische Darstellung der wichtigsten gesetzlichen Vorschriften zur Einführung der Mark und zur Einführung des Euro zusammengestellt. Anhand dieser können Sie die beiden Währungseinführungen vergleichen.

 

IV. Blick in die Zukunft

Bei Betrachtung all dieser Parallelen zwischen Einführung der Mark und der es Euro, stellt sich die Frage, ob wir anhand dieser historischen Erfahrungen eine Zukunftsprognose für die Weiterentwicklung der Währungsunion erstellen können. Wie geht es weiter? Wird aus der Währungsunion automatisch eine politische Union, vergleichbar mit der Struktur des Deutschen Reiches, folgen? Eine Antwort auf diese Frage hat uns das Bundesverfassungsgericht in seinem Maastricht-Urteil (BVerfG 1989, 155) gegeben:

"Im Ergebnis unterwirft sich die Bundesrepublik Deutschland mit der Ratifikation des Unions-Vertrags somit nicht einem unüberschaubaren, in seinem Selbstlauf nicht mehr steuerbaren "Automatismus" zu einer Währungsunion; der Vertrag eröffnet den Weg zu einer stufenweisen weiteren Integration der Europäischen Rechtsgemeinschaft, der in jedem weiteren Schritt entweder von gegenwärtig für das Parlament voraussehbaren Voraussetzungen oder aber von einer weiteren, parlamentarisch zu beeinflussenden Zustimmung der Bundesregierung abhängt. [...] 

[Es] weisen gewichtige Stimmen darauf hin, daß eine Währungsunion, zumal zwischen Staaten, die auf eine aktive Wirtschafts- und Sozialpolitik ausgerichtet sind, letztlich nur gemeinsam mit einer politischen - alle finanzwirtschaftlich wesentlichen Aufgaben umfassenden - Union, nicht aber unabhängig davon oder als eine bloße Vorstufe auf dem Wege dahin verwirklicht werden könne. Bundesbankpräsident Prof. Dr. Schlesinger hat sich in der mündlichen Verhandlung gleichfalls dahingehend geäußert. Auch auf die stufenweise Entwicklung der nationalen Einheit Deutschlands im 19. Jahrhundert mag diese Auffassung sich stützen: Die Vereinheitlichung der Währung ging der nationalstaatlichen politischen Einigung nicht voraus, sie folgte der Bildung des Norddeutschen Bundes und des Deutschen Reiches von 1871 durch das Münzgesetz vom 9. Juli 1873 (RGBl. S. 233) nach; vorher bestand über Jahrzehnte zwar der Deutsche Zollverein, es gab auch Handelsverträge und wirtschaftsrelevante Abkommen, aber weder einen Währungsverbund noch eine Währungseinheit (vgl. E.R. Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Band IV (1969), S. 1053 f.). Hiermit wird indes keine verfassungsrechtliche sondern eine politische Frage aufgeworfen. Die Währungsunion ohne eine gleichzeitige oder unmittelbar nachfolgende politische Union zu vereinbaren und ins Werk zu setzen, ist eine politische Entscheidung, die von den dazu berufenen Organen politisch zu verantworten ist. Stellt sich heraus, daß die gewollte Währungsunion in der Realität ohne eine (noch nicht gewollte) politische Union nicht zu verwirklichen ist, bedarf es einer erneuten politischen Entscheidung, wie weiter vorgegangen werden soll. Für diese Entscheidung ist rechtlich Raum, weil die Währungsunion nach dem jetzigen Vertrag eine politische Union ebensowenig wie eine Wirtschaftsunion automatisch nach sich zu ziehen vermag, es dazu vielmehr einer Vertragsänderung bedarf, die ohne die Entscheidung der nationalen staatlichen Organe einschließlich des Deutschen Bundestages nicht zustandekommen kann. Diese Entscheidung ist dann wiederum im Rahmen des verfassungsrechtlich Zulässigen politisch zu verantworten."

( Volltext beim Projekt DFR der Universität Würzburg)   

Es bleibt also weiterhin spannend wie sich die Europäische Union weiterentwickeln wird. Auf der Seite " Die künftige Gestalt Europas" hat das Auswärtige Amt Links gesammelt, welche zu Internetseiten führen, die sich mit der Zukunft Europas beschäftigen. Hier können vor allem zahlreiche Reden namhafter Politiker zu diesem Thema abgerufen werden.

Wenn Sie sich mit der Einführung des Euro näher beschäftigen möchten, können Sie sich " Informationen zur Euro-Bargeldeinführung" bei der Bundesbank herunterladen.
Darüber hinaus präsentiert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag eine
Liste aller Rechtsgrundlagen zur Einführung des Euro. Des weiteren hält die Sparkasse einen Überblick über die " Geschichte des Euro" für Sie bereit.

Wer die Mark in Erinnerung behalten will, der kann die goldene 1-DM-Gedenkmünze erwerben. Näheres hierzu, insbesondere welche rechtlichen Probleme der Prägung vorauseilten – der Bundestag musste eigens das Gesetz über die Ausprägung einer 1-DM-Goldmünze und die Errichtung der Stiftung Geld und Währung vom 27.12.2000 (BGBl. I S. 2045) verabschieden – können Sie in den Artikeln " Die Goldmark ein teurer Flop?" und " Startschuss zur 1-DM-Goldmünze zum Abschied der DM" von Hendrik Gabler nachlesen (vgl. auch die Pressenotizen der Bundesbank).
Übrigens: Die goldene 1-DM-Gedenkmünze wird, abhängig vom Goldpreis, von der Deutschen Bundesbank für 250,00 DM ausgegeben. Wenn man sie aber zur Bank zurückbringt, ist diese nur verpflichtet die Münze zum Nennwert von 1 DM in Zahlung zu nehmen.

(cf)



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